Judo-Projekt 2005
Massnahme gegen Mobbing, Gewalt, Disziplinmangel und Unruhe in der Schule
Wie es dazu kam: Bericht von einer Schule aus der Gegend
Im Sommer 04 übernahmen meine Schwester und ich die 6. und 7. Klasse in B. Wir wussten, worauf wir  uns einliessen, denn die Vorgeschichte der Klassen und die Berichte der vorangehenden Lehrkräfte  waren vorwiegend negativ. Trotzdem machte uns das, was wir antrafen, noch traurig. In der Klasse von  12 Schülern (11 Knaben und ein Mädchen) herrschte eine grosse Unruhe, Streit, Mobbing und Gewalt.  Nicht einzelne Schüler, sondern fasst ausnahmslos die ganze Klasse störte den Unterricht massiv.  Leider mussten wir mehr als die Hälfte der Schüler als "auffällig" oder sogar "nicht tragbar" einstufen.  Mangelnde Disziplin, Desinteresse von Seiten der Schüler und Mobbing schafften ein schlechtes Klima  im Schulzimmer und machten regulären Unterricht zum grössten Teil unmöglich. Es ist nicht  verwunderlich, dass die Kinder im Schulstoff allesamt grosse Lücken aufwiesen. 
Wie Weiter?
Uns war klar, dass wir so schnell als möglich etwas unternehmen mussten. Die Energie die zweifellos in  den sehr lebendigen und verhaltenskreativen Schülern steckte, musste endlich kanalisiert und sinnvoll  genutzt werden. Die, im Bezug auf Schule und Lehrer sehr misserfolgsorientierten Schüler, sollten  wieder selbstsicherer werden, ihre eigene Kraft spüren und erleben können und den Willen entwickeln,  ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Unser Ziel war es von Anfang an, das "zerstörerische Verhalten" der  Jugendlichen in "konstruktives umzuwandeln.    Die frage war nur; aber wie? 
Sport als Lösung des Problems 
Der Begriff "Erlebnispädagogik" war uns bekannt. Ich als Sportlehrerin weiss, dass Sport in dieser  Richtung viele Möglichkeiten bietet. In Spiel, Bewegung und Leistung können persönliche  Grenzerfahrungen gemacht werden, faires Verhalten wird verlangt, Regeln müssen eingehalten werden,  Hilfestellungen und Toleranz sind gefragt und nicht zuletzt kann der Sport ausgleichend wirken und man  kann überschüssige Energie auslassen, ohne jemandem zu Schaden. Im Gegenteil. Natürlich sind nicht  alle Sportarten gleichermassen geeignet, die erwähnten Ziele gefahrlos und nachhaltig zu erreichen.  Unsere einzige Hoffnung war JUDO! Wieso Judo?  Judo ist eine Kampfsportart, bei der es NICHT das Ziel ist, den Gegner zu verletzen. Es wird -  besonders im Training- gemeinsam gekämpft. Judo bietet die Chancen, an die körperlichen Grenzen zu  kommen, die eigene Kraft zu spüren, die Kraft und die Möglichkeiten des Gegners kennen und  respektieren zu lernen. Es kann gleichermassen mit stärkeren und schwächeren trainiert werden, denn  Respekt und Fairness werden alleweil hochgeschrieben. Projekt Judo   Unser Projekt als Massnahme gegen Mobbing, Gewalt, Disziplinmangel und Unruhe in der Klasse  musste zuerst den Eltern und der Schulkommission vorgestellt werden.   Wir waren natürlich auf die Unterstützung von allen Seiten angewiesen.   Markus Hari Markus Hari vom Bushido KS Yama Hari in Interlaken war von dieser Idee sofort begeistert  und ebenfalls davon überzeugt, mit dem Vorhaben viel erreichen zu können.   Markus hatte mit seiner wunderbaren Art sofort den Draht zu den Jugendlichen gefunden.   Er holte die Schüler in jeder Stunde genau dort ab, wo sie standen, in ihrer Unsicherheit oder ihrem  Übermut, mit ihren Freuden oder Problemen. Es dauerte jeweils nicht lange, bis die Schüler ihre  gewohnten Rollen als "Grossmaul", Mitläufer, Einzelgänger oder Klassenführer ablegten und von  aussen als homogene Gruppe die Judo trainiert, wahrgenommen wurde. Keiner wurde ausgeschlossen,  jeder kämpfte, schwitzte und lachte mit jedem.   Markus Hari wurde von den Kindern als "Kumpel" respektiert und sie vertrauten ihm.    Nicht nur Technik und Leistung waren Inhalte seiner gut durchdachten und vorbereiteten Lektionen.  Durch die Nähe, die er zu den Schülern aufgebaut hatte, ist es Markus gelungen, den Jugendlichen  seine gesunde Einstellung zum Leben, seinen Kampfgeist und den Glauben an sich selbst mitzuteilen  und weiterzugeben.   Das Resultat  Die wöchentlichen Ausflüge nach Interlaken zum Judotraining, das gemeinsame Erlebnis zusammen  Sport zu treiben, zu schwitzen und zu leisten, hat die Klasse sichtlich näher zusammen gebracht.   Im Vergleich zum Anfang des Schuljahres haben sich die Konzentration und die Motivation der Schüler  sichtlich verbessert, Mobbing und Gewalt sind zurückgegangen.   Regulärer Unterricht ist nun tatsächlich möglich. Wir sind sehr glücklich mit dem erreichten Resultat und  denken, einen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben. Wir sind natürlich davon überzeugt, dass  Markus Hari an diesem Erfolg stark beteiligt ist. Danke   Kein Geheimnis  Über den Zweck des Judotrainings haben wir mit den Schülern von Anfang an Klartext geredet und  zeitweilige Verbesserungen oder Verschlechterungen der Situation jeweils diskutiert. Auch zum Schluss  mussten die Schüler zu einzelnen Aspekten Stellung nehmen und sich über die Auswirkungen des  Judotrainings auf die zuvor nicht zufrieden stellende Stimmung in der Klasse Gedanken machen.  Eindrücke der Schüler   C:"Ich habe gelernt, dass ich fasst alles erreichen kann, wenn ich will"   B:" Ich finde, wir haben mehr Vertrauen zueinander bekommen. Es hat sich noch vieles verändert: jetzt  komme ich viel besser mit den anderen aus. Einige haben mich gemobbt und Fettarsch zu mir gesagt.  Jetzt sagen Sie es nicht mehr. Keine Ahnung warum, aber ich finde es gut"   A: " Es wird immer weniger gemobbt, das finde ich gut."   R:" In der Gruppe wird weniger gemobbt."   P:" Ich habe gelernt, meine Gewalt besser zu beherschen. Seit dem, dass wir ins Judo gegangen sind,  finde ich, dass ich ruhiger geworden bin."   S:" Ich habe einen neuen Kollegen in der Klasse gefunden, mit dem ich gut auskomme."   D:" Im Judo habe ich gelernt, dass man nicht gegeneinander mobben, sondern miteinander etwas  machen muss."   X:" Ich finde, dass die Gewalt in unserer Klasse abgenommen hat." 
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